
Art.Nr.: 9783928498920
Autor: Reinhold Andert
Das Buch „Der fränkische Reiter" verfolgt die Spuren des berühmten Reitersteins von Hornhausen. Er entstand um das Jahr 700 herum und ist ein sichtbares Zeichen für die Frankenherrschaft in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen. Diese Epoche reichte vom Untergang des Thüringer Königreiches 531 bis zur Machtübernahme Heinrichs I. im Jahre 919. Sie wird oft als "dunkle Zeit" bezeichnet, so dunkel, daß sogar behauptet wurde, sie habe gar nicht existiert. Alle Zeugnisse aus diesen vierhundert Jahren seien Erfindungen und Fälschungen. Die These ist genial, aber unsinnig. Sie setzt einen weltweiten Fälscherring im Mittelalter voraus, den es nicht einmal heute in der Zeit der absoluten Medienherrschaft gibt. Sie zwingt aber Geschichtsschreiber dazu, Beweise zu bringen, statt nur Behauptungen aufzustellen, auch für die Geschichte Mitteldeutschlands.
Das Buch enthält viele Zeugnisse, die dieses Dunkel erhellen. Es sind Schriftquellen wie Kloster-und Reichsannalen, Chroniken, Briefe, Urkunden und Heiligenlegenden. Daneben behandelt es archäologische Funde, Orts- und Flurnamen, spätere Besitzverhältnisse, alte Verkehrswege, Weihenamen von Kirchen sowie Sagen und Bräuche. Die schriftlichen Quellen werden in diesem Buch sehr kritisch beleuchtet, denn sie sind gerade für Mitteldeutschland oft sehr unzuverlässig, weil sie von Fremden stammen, von Angehörigen und Sympathisanten der fränkischen Besatzungsmacht aus weit entfernten Klöstern. Bei näherem Hinsehen erweist sich manches als Ideologie, Mißverständnis oder sogar Fälschung. Letzteres betrifft vor allem Urkunden, in denen es um den Besitz der Klöster Hersfeld und Fulda geht. Das ist heute noch wichtig, da die meisten Orte Mitteldeutschlands diesen Urkunden ihre erste schriftliche Erwähnung verdanken. Durch sie treten diese Dörfer und Städte in das Licht der Geschichte, und folglich sind sie der Anlaß für zahlreiche Volks- und Heimatfeste. Etliche Jubiläumszahlen stimmen nicht, weil die Urkunden gefälscht sind. Das sollte aber, meint der Autor, beim Feiern nicht stören, sondern vielleicht ein Grund sein, nach den Ursachen der Fälschungen zu forschen. „Der fränkische Reiter" ist dabei ein kundiger Führer.
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